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SCHICKES. SCHÖNES. SCHNELLES.

9. Oktober 2017

Alpenfahrt #2___ Gotthard, Grimsel, Furka, Simplon

von Markus

Zehn Tage, 3500km, 20 Pässe und 5 Länder…zweiter Teil:

Den Beginn der Alpenfahrt mit unserem 964 konnte man ja vor ein paar Tagen im ersten Teil des Artikels lesen.  Die Werkstatt hatte unseren anderen Elfer, mit dem wir ursprünglich fahren wollten also wieder flottgemacht und wir machten uns am frühen Morgen vom Gotthardpass auf nach Wiesbaden, um ihn abzuholen und anschliessend wieder zurück in die Alpen zu fahren. Ganz schön verrückt eigentlich…

Auf der Autobahn wird unsere Weekend Racer ziemlich laut. Schon bei 130km/h und bei 180 infernalisch und man muss dann auch das Lenkrad gut festhalten. Dabei belassen wir es dann mal, wir sind ja auf Testfahrt. Die Schweizer sind Weltmeister im Tunnelbau und hier kann man mal richtig den Auspuffklang auszuprobieren bis der Putz von der Decke fällt. Unsere Strecke geht vorbei an Basel und Luzern und hier respektieren wir das Tempolimit peinlichts genau, wir wollen ja keinen Knollen riskieren, so wie ein Lotus Super 7 Fahrer, den ich am nächsten Tag getroffen habe. Er hatte gerade 2000 Franken zahlen müssen. In der Dunkelheit schlängeln wir uns die 38 Kilometer lange Passtrasse hinauf, um gerade nochgerade rechtzeitig zum Abendessen im ersten Quartier anzukommen. Das Grimsel Hospiz, wo wir zwei Tage zuvor schonmal vorbeigekommen sind, liegt idyllisch auf einem Felsen an einem Stausee auf ca. 2000m Höhe und war vor knapp 900 Jahren das erste urkundlich erwähnte Gasthaus in der Schweiz und von 1932 das erste Haus Europas, welches elektrisch beheizt wurde.

Den nächsten Morgen nutzen wir, um noch ein paar Fotos an diesem wunderbaren Ort zu machen. In manchen Ansichten verschwindet unsere steingrauer Porsche wie ein Chamäleon, denn der Farbton ähnelt allzu sehr dem der grünbemosten Berge und der Farbe des Wassers im Stausee. Der rote Farbklecks auf der Motorhaube macht sich jedoch ausgezeichnet auf den Bildern. Das Heck ist eindeutig die Sahneseite des 911. Schliesslich reißen wir uns los. Der Tag wartet mit einer geplanten Streckenlänge von 270 Kilometern auf uns und das Wetter ist perfekt. Das Anschnallen mit den 4-Punktgurten ist jedes Mal ein Prozedere und beansprucht etwas Zeit. Festzurren und den Schlüssel drehen. Der Motor startet rau und will mit dem Handgas noch etwas bei Laune gehalten werden. Alleine bleiben wir dabei selten, denn immer wieder kommen Zuschauer, mal begeistert, mal schockierte Wanderer über die Ruhestörung in der Bergidylle. Wir lassen es also gemütlich angehen und fahren in Richtung Süden, den Grimselpass hinunter nach Gletsch und dann über den Simplonpass in Richtung Italien. Er hat lang gezogene Kurven und einen perfekten Fahrbahnbelag. Man kann hier etwas flotter fahren, aber der Motor dreht in der Höheluft noch nicht richtig. Es braucht noch etwas Feinabstimmung auf dem Prüfstand. Das wussten wir und es kommt auf den Zettel mit den über den Winter zu erledigenden Arbeiten. Die Ausblicke auf die weißen Spitzen der Walliser Alpen entschädigen uns dafür, sie gehören zum Besten, was die Schweiz zu bieten hat. Wir erreichen die Passhöhe in 2006 Metern und überqueren danach die Grenze. In Domodossola biegen wir ab in Richtung Santa Maria Maggiore, wo wir den Mittagsstopp in einer Pizzeria einlegen. Es war auch höchste Zeit, denn gut gestärkt geht es Richtung Cannobbio am Lago Maggiore auf einer immer enger werdenden Strasse. Gegenverkehr ist unmöglich, kommt aber immer mal vor und so muss so manches Mal rangiert und notgebremst werden. Die „S“ Bremsen packen jederzeit gut zu. Am See angekommen zeigt die Tankuhr Reserve an. Der 2,4l Motor ist kein Kostverächter, den genauen Verbrauch rechne ich lieber nicht aus, aber der 85Liter Tank entleert sich rasch durch den Auspuff. Im Berufsverkehr fahren wir am Seeufer entlang und erreichen schließlich Bellizona und die Autobahn Richtung unserem nächsten Ziel. Dem Gotthard Pass. Besonders spektakulär ist hier die alte Tremola Strasse mit ihren 24 kopfsteingepflasterten Kurven.  Die ist das längste Baudenkmal der Schweiz und stammt im Ursprung aus dem Jahr 1834. Unser Porsche röhrt auf der menschen- und autoleeren Strecke mehrmals rauf und runter und es entstehen ein paar schöne Aufnahmen. Immer wieder entfliehen wir den aus dem Tal aufsteigenden Nebelschwaden, bis wir schließlich im Nachtquartier, dem Gotthard Hospiz auf 2106 Metern ankommen und nach ein Paar Rösti erschöpft und glücklich ins Bett fallen. Die Dame an der Rezeption kennt uns schon von vor zwei Tagen, als wir hier Rast machten und gibt und diesmal das Zimmer mit dem Namen Johann Wolfgang von Goethe, der hier einst nächtigte.

Der Morgen danach startet neblig auf dem Gotthard, aber als wir ein paar Kilometer um die Ecke fahren, scheint die Sonne als wäre nichts gewesen. So sind die Berge! Die Strecke geht über den Furkapass, dessen Scheitelpunkt auf 2436m liegt. Auch hier hat unser Renner wieder mit der dünnen Luft zu kämpfen. Auf einem Parkplatz halten wir an und es kommen zwei englische Porsche Fans in ihrem SC dazu und sind völlig aus dem Häuschen. Sie kennen unser Auto vom letzten Petrolicious Artikel und fotografieren es ausgiebig. Weiter geht’s wieder über den Grimsel Pass, diesmal in umgekehrter Richtung und schließlich in Richtung Bern, wo wir unseren Freund Ulfert von Gannet Design besuchen, der uns sein neues Studio zeigt, bevor es am Folgetag wieder zurück nach Deutschland geht. Die Reise war wunderbar und der 911 macht sich hervorragend in der Bergwelt. Nun bleiben über den Winter einige Kleinigkeiten zu beheben und das Auto zu verbessern und Nummer 9110101621 kann im nächsten Jahr wieder auf die Strecke gehen.

Hier ein Video von unserer Reise

Alpenfahrt bei formfreu.de: erster Teil

Alpenfahrt im 9110101621 bei Petrolicious

Fotos: Markus Haub und Susana de Val

7. Oktober 2017

Alpenfahrt #1___ Von Kals zum Gotthard

von Markus

Zehn Tage, 3500km, 20 Pässe und 5 Länder….

Eine Ausfahrt in die Alpen mit Freunden stand auf dem Plan für Ende September, gerade noch rechtzeitig, bevor die Pässe über den Winter zumachen. Auch sollte es die erste große Ausfahrt mit unserem neuen 911 mit der Seriennummer 9110101621 werden, der nach zwei Jahren Bauzeit Anfang September endlich fertig geworden war. Doch kurz nach der Losfahrt am Freitag bremste uns ein Kupplungsdefekt ein und wir mussten zurück in die Werkstatt, die für die Reparatur aber einige Tagen benötigen würden. Also stiegen wir auf unseren Ersatz-Porsche um. Einen 964er Carrera 4 und gingen am Freitagnachmittag verspätet auf die Strecke nach Kals am Großglockner. Im Gradonna Mountain Resort war der Treffpunkt und Lars, Judith und Lorenz warteten schon an der Bar. Noch schnell ein Bierchen und ab ins Bett. Am nächsten Tag sollten einige Kurven genommen werden.

Was für ein Tag, Sonnenschein und blauer Himmel begleitete uns auf der ersten Etappe, die über den Staller Sattel hinunter nach Italien führte. Richtung Toblach und Cortina d’Amprezzo, wo James Bond vor fast 40 Jahren auf tödliche Mission ging. Wir hatten nichts dergleichen im Sinn, sondern genossen die schöne Landschaft der Dolomiten. Der Blick auf die Sellagruppe ist grandios. Das Pordijjoch ist mit 2239m der höchste Pass dieser Bergkette und führt über 33 Kehren hinauf und 25 hinab. Nach dem Mittagessen mit Papardelle und Steinpilzen muss Lorenz sich von uns verabschieden, ein wichtiger Termin zwingt ihn zur frühzeitigen Heimfahrt. Und so machen wir uns in den beiden 964ern weiter übers Sellajoch und hinab Wolkenstein, St Ulrich, über Kastelruth (wo die dicken Spatzen herkommen, oder wie war das??). Im Tal angekommen kommt ein erneuter Aufstieg. Eine extrem schmale Strasse führt durch eine dem Auenland der Hobbits gleiche Landschaft. Fast hätten wir die freilaufenden Hühner überfahren schon kommen wir am Tagesziel an. Das Hotel Ansitz Kematen liegt am Ortsrand von Klobenstein und man hat den herrlichsten Blick der Gegend. Direkt auf den Rosengarten, eine Bergkette die beim abendlichen Sonnenuntergang in ein liebliches rot gehüllt wird und daher seinen Namen hat, wie Judith uns aufklärt. Nach einer abendlichen Wanderung, die in einer Nachtwanderung endet und wir kaum den Weg zurück finden und einem leckeren Abendessen fallen wir ins Bett. 240 Kilometer waren geschafft und am nächsten Tag sollten es knapp 350 werden.

Hauptattraktion des Sonntag sollte das Stilfser Joch werden. Zunächst aber war die Zwischenetappe durch Bozen und vorbei an Meran zu absolvieren, bevor der Kurvenspass losging. Über 48 Kehren, teilweise extrem eng gebaut zwirbelt man sich ins Glück bzw. den Pass hinauf.  Hier hatte es in der Vorwoche schon kräftig geschneit, davon war aber nur am Straßenrand und freilich auf den weißen Berggipfeln der 3000er Gletscher etwas zu sehen. Auf der Passhöhe auf 2757m angekommen machen wir Mittagspause und lassen die Carrera Motoren etwas verschnaufen. Anschließend führt eine gut ausgebaute Strasse durch eine vegetationslose Hochgebirgslandschaft hinab zum Umbrailpass auf 2503m und der Grenze zur Schweiz. Der Rest ist schnell erzählt. Wir fahren Richtung Norden nach Österreich und über den Fernpass, wo wir und nun auch von Judith und Lars verabschieden, die zurück nach Mainz fahren, während wir uns einen Ruhetag in Schwangau gönnen, um auf König Ludwigs II Spuren wandeln und seine Schlösser besichtigen.

Am Dienstag fuhren wir gut erholt zurück nach Österreich, über Lech und den Flexenpass, durch Lichtenstein in die Schweiz. Ziel war Vals, ein kleines Dörfchen am Ende eines Tales. Wir checken im schicken Hotel 7132 ein, welches an die Felsentherme angegliedert ist, die vom Architekten Peter Zumthor entworfen und 1996 eingeweiht wurde. Sie soll an einen Steinbruch erinnern, aus welchem Quader herausgeschnitten wurden. Für die Ummantelung der Mauern wurden 60000 Steinplatten aus Valser Quarzit mit je einem Meter Länge verbaut. Es ist ein magischer Ort, eine Kathedrale des Wassers und wir hatten Glück, denn es war nur eine handvoll Besucher dort, am frühen Abend, als es dunkel wurde, die spärliche Beleuchtung anging und der Dampf des warmen Wassers in die Bergluft aufstieg waren wir sogar ganz alleine. Es war eine der schönsten Erfahrungen der ganzen Reise, ein mystischer Ort der absoluten Entspannung.

Wenn man das Tal noch weiter hinein fährt, kommt man irgendwann zum Zervreila-Stausee. Das gleichnamige Dorf ging unter, als der See 1957 aufgestaut wurde. Wir machten hier am Mittwochmorgen noch kurz halt, um darauf das ganze Tal wieder zurückzufahren und über den Oberalppass nach Andermatt zu gelangen. Weiter über den 45 Kilometer langen Sustenpass, der als eine der modernsten Passtrassen der Alpen gilt. Viele Aussichtsparkplätze laden zum fotografieren ein und durchfährt man den 325 m langen Tunnel vor der Passhöhe, kann man die umliegenden Gletscher  wie einen Diamantteppich in der Sonne glitzern sehen. Dann hinunter nach Innertkirchen und den Grimselpass hinauf. Am Hospitz machen wir einen kurzen Stopp, aber wir sollten hier am Folgetag nochmals vorbeikommen. Deshalb fassen wir uns kurz und weiter auf den Weg über Furkapass zum Gotthard. Es wird schon dunkel und wir wollten unser Ziel noch rechzeitig zum Abendessen erreichen. Das Gotthard Hospiz , welches aus dem Jahr 1237 stammt und erst kürzlich vom Architekturbüro Miller & Maranta renoviert wurde.

Wir hatten heute auch mit der Werkstatt in Wiesbaden telefoniert, um zu erfahren, dass unsere Kupplungsgeschädigter 9110101621 fertig ist und zur Abholung  bereitstünde.  Ob wir ihn wirklich geholt haben und wie wir die Reise fortgesetzte haben, erfahrt ihr im zweiten Teil des Berichts...

Fotos: Susana, Judith, Lars und Markus

3. Oktober 2017

Oldtimertreff bei Atze @ Joker Jeans

von Tom

Ganz schön herbstlich. Oktoberrunde mit dem Ahorngelben

Der Oldtimertreff bei Atze ist der regelmäßige Termin für Altautofahrer in Ilsfeld und findet auf dem Gelände von “Karosserie Atze” statt. Die Oktoberausgabe gab es ausnahmsweise bei Joker Jeans anläßlich des verkaufsoffenen Sonntags.

Oldtimertreff bei Atze
Joker Jeans

Atze bei formfreu.de

29. September 2017

Dabro pashalawat, Sputnik!

von Tom

Der Lässigste im Fuhrpark. AvtoVAZ 2108. Dabro pashalawat, Sputnik!

Auf dem Heimatmarkt in der UdSSR kam der Wosmerka (08er), der Lada mit den Porsche-Genen, 1984 als “Sputnik” (Satellit) auf den Markt, in den meisten Exportländern hieß er “Samara”. Seine Geburtsstadt Togliattigrad liegt ja bekanntlich in der Oblast Samara.

Unser Sputnik kommt aus Budapest in Ungarn und wurde dort im Herbst 1989 erstmals zugelassen. Wir freuen uns auf eine tolle Zeit mit Dir!

26. September 2017

Back in Time: Aeropark Budapest

von Tom

Auch wenn es die traditionsreiche Malév Hungarian Airlines seit 2012 nicht mehr gibt, so kann man am Budapester Flughafen am Aeropark Budapest noch immer einige ihrer Flugzeuge – von der Propeller- bis zur Jet-Ära – sehen. Dazu gehören freilich Ex-UdSSR-Flieger wie beispielsweise AN-2, IL-18, TU-134 oder TU-154. Natürlich sind die Maschinen unter freiem Himmel jeglichem Wetter ausgesetzt, welches dem Lackglanz schon bisweilen zugesetzt hat. Innen riechen die Flugzeuge nach Patina “Ost” und nach den stolzen vergangenen Tagen.

Aeropark Budapest

ähnlich:
Tempelhofflieger
Gatow
Dessau
Hahnweide

Fliegerbilder#

24. September 2017

6. Oldtimertreffen am Museum Patina

von Tom

“Die beste Wahl am Wahlsonntag…”

Das schönste Frühherbstwetter war bestellt. Und es gilt, die Altautosaison 2017 nochmals so richtig zu geniessen. Auf nach Ebersbach! Heute gab es zum sechsten Mal das Oldtimertreffen auf dem Gelände vom Museum Patina und von Ceramtec. Viele hundert Fahrzeuge kamen in die Stadt an der Fils im Landkreis Göppingen.

Für die Besucher gab es einiges zu sehen: vom Käfer bis zum Unimog war alles da. Neben dem eigentlichen Treffen war aber noch mehr geboten: Ein kleiner Flohmarkt für Autoteile sorgte für Kurzweil. Natürlich hatte auch das Museum selbst offen: neben alten Fahrzeugen gibt es dort ein buntes Sammelsurium aus Modellautos, Gesellschaftsspielen, Email-Schildern und Fahrschul-Utensilien zu bestaunen. Für das leibliche Wohl war stets gesorgt. Der Preis für das kulinarische Highlight geht an die ungarische Gulaschsuppe aus der NVA-Gulaschkanone…! Vroooomm….!!

Museum Patina

Frühstück @ Siegel’s 711

von Tom

Morgenstund mit Benzin im Tank: Kaffeestopp bei der Bäckerei Siegel’s 711 in Zuffenhausen…

17. September 2017

#CREW´SN Frankfurt

von Markus

#CREW´SN war heute Vormittag in Frankfurts Osten angesagt. Ein loses Treffen von Freunden der 911 Kultur, die teilweise auch eine weite Anfahrt nicht gescheut haben. Nette Leutchen coole Karren! Und die Jungs von Urbannatural-Photography haben einige Autos fotografiert. Bin schon gespannt aufs Ergebnis :)

Flat6High5

13. September 2017

IAA Frankfurt 2017

von Markus

Messerundgang auf der IAA

Wenn man Visionen hat, soll man zum Arzt gehen, mahnte einst Helmut Schmidt. Oder aber man stellt sie auf der IAA in Frankfurt aus. Und derer gab es eine ganze Menge!

Aber dieses Jahr begann die Automesse ganz anders als gewöhnlich. Auf der Pressekonferenz von BMW am frühen Morgen standen zunächst nicht die neuesten und tollsten Modelle der Marke im Vordergrund, sondern der Aufsichtsratsvorsitzende Harald Krüger setzte sich mit dem Autor und Journalisten Hayo Schumacher einsam auf die Bühne und ließ sich von diesem befragen. Nichts war abgesprochen und sollte unangesprochen bleiben. Auch die bösen Worte vom Diesel Skandal, Kartell, und Manipulation wurden nicht ausgespart. Es wurde über sein erstes Auto (ein Opel Kadett) und die Oligarchenbräute in Berlin, die mit ihren dicken SUV herumfahren geplaudert, querbeet halt.  Zwar wich  er auf die Frage -in Anspielung auf seinen Schwächeanfall von vor zwei Jahren- was „die Grätsche auf der Bühne mit ihm gemacht hat“ aus, er schlug sich aber recht wacker und betonte stets die weiße Weste von BMW. Das Interview sagt jedoch viel aus über die Lage der Branche, die enormes Vertrauen verspielt hat (und es noch immer tut). Krüger hielt es offensichtlich für nötig, sich öffentlich und auf großer Bühne zu rechtfertigen. Respekt!

Danach kam der bunte Teil und es rollten die Neuheiten auf die Bühne. Der i3s, Mini Electric und das viertürige Elektrocoupe i-Vision Dynamics. Mit 600km Reichweite und 200km/h will man sich eine Waffe gegen Tesla schnitzen. Wann, das bleibt offen, aber die Elektromobilität hat bei BMW oberste Priorität, so wird versichert. Auch am Stand stehen der klobige X7 iPerformance und die beiden Studien Concept Z4 und 8-Series, die wie aus dem Ei gepellt dastehen und hoffentlich so in Serie gehen! Messerscharfe Dinger!

Bei Opel spricht man französisch, zumindest ganz kurz am Anfang der Produktpräsentation, um die neuen Besitzer gnädig zu stimmen. Neu ist der Grandland X für die Freunde des „gepflegten Countrystyles, ein weiteres Mitglied der x-Familie (huch, heißt das nicht bei BMW genauso???). Das Segment boomt leider immer noch und so stehen derlei Autos an jeder Ecke und bei allen Herstellern. Bei Skoda heißt er Karoq, bei Seat Arona, bei VW T-ROC bei Hyundai Kona, bei Kia Stonic, Bei Ford Ecosport oder bei Citroen C3 Aircross. Und dann noch die von den Chinesen! Wie viele davon verträgt die Welt noch?

Bei VW wird der Abgasskandal komplett unter den Teppich gekehrt. Man will nach vorne schauen und präsentiert ein weiteres Mitglied der zukünftigen Elektroautoflotte. Den I.D.CROZZ II, ein E-SUV-Coupe! Alle basieren auf dem Elektrobaukasten, bei dem die Batterie wie eine Tafel Schokolade im Wagenboden untergebrachte ist. Beim Konzernnachbarn Audi wird ebenso an der elektrischen Zukunft gefeilt. Freilich einige Segmente höher und mit endlich mehr Schmiss in der Form. Das Rumgelutsche auf der alten Linie hat ein Ende. Stolze 5,44m ist die Studie AIRCON lang und überragt so den daneben uralt wirkenden (neuen) A8 um ein ganzes Stück. Gefahren wird ohne Lenkrad und Pedale, von Geiserhand sozusagen und das bis zu 800 Kilometer weit mit einer Feststoffbatterie. Innen herrscht Wohnzimmeratmosphäre und so manch ein Passagier konnte sich wünschen, noch eine Extrastunde im Stau zu stehen, weil er es nicht mal zu Hause so schön hat.

Viel los war am Stand von Borgward, deren neues Fahrzeug schon lang ersehnt wurde. Und es kam in Form einer etwas mit zu vielen Linien und Farbwechseln überzogenen coupéhaften Limousine mit Namen Isabella. Mit einer Prise Renault Alpine an der Front, Türen nach bester Showcar-Manier und Elektroantrieb zeigt er, wohin die Reise der deutschen Traditionsmarke geht.

Und die Sportwagenhersteller??? Bei Lamborghini ist die Neuigkeit, dass die Neuigkeit (der SUV) erst am 4.Dezember präsentiert wird, bei Ferrari ist es der Portofino, der den California T ersetzt, bei Bentley steht die dritte Generation des Continental GT und Porsche besinnt sich zurück auf den RS der 70er, indem sie dem 911 GT3 ein Touring Paket spendiert. Für die Kenner mit Understatement.

Renault hat sich dieses Jahr was ganz besonderes ausgedacht. Dem futuristischen Fahrzeug SYMBIOZ wird gleich ein ganzes Haus drumrum gebaut. Man parkt direkt im Wohnzimmer, oder fährt wahlweise mit dem Aufzug aufs Dach. Renault zeigt in seiner Vision für das Jahr 2030 wie sich autonome, vernetzte und elektrische Mobilität in den Alltag einbinden lassen.

Und so wurden auch dieses Jahr auf der IAA wieder viele Fragen beantwortet und auch viele Antworten gegeben zu Fragen, die niemand gestellt hat. Wie die Zukunft werden wird, wissen wir auch nicht. Es scheint aber ein Wettrüsten unter den Herstellern begonnen zu haben, bei dem alles ins Auto reingepackt wird was geht. Ein Smartphone auf Rädern. In den 60er Jahren träumten die Designer von fliegenden Autos. Sie sind nie Realität geworden…

IAA

11. September 2017

Septembersamstag

von Tom

Unterwegs in Stuttgart.

Septembersamstagnachmittag mit dem Wartburg 353W.

Rheinhessen Rallye 2017

von Markus

Ganz schön heiß ging es wieder zu, bei der diesjährigen Rheinhessen Rallye. Nicht etwa wegen des Wetters- das war eher mäßig und zeigte sich schon recht herbstlich- sondern wegen der gesalzenen Aufgaben. Dabei waren wir dieses Mal mit unserem neuen Renner im Fuhrpark. Dem steingrauen Porsche 9110101621.

Start war dieses Mal in Worms und so kamen wir mal in andere Regionen als in den Vorjahren und konnten die Hügel und Dörfchen des Nordpfälzer Berglandes erkunden. Sehr hübsch dort und in einigen dieser Dörfchen verweilten wir auch eine ganze Weile, um Chinese-, Strich-Punkt Skizzen oder eine Fischgräte zu lösen. Zeit- und Gleichmäßigkeitsprüfungen gab es auch, eine lange und eine kurze. Am Nachmittag noch mal eine lange, die mit 61er Schnitt zu Fahren war. Wem das nicht genug war, der konnte noch die Sonderaufgaben lösen. Besonders originell fanden wir die, das eigene Fahrzeug auf einer Wippe zu fahren und in die Wagrechte zu bringen. In einer anderen sollte man die eigene Fahrzeughöhe einschätzen und dann unter der eben in dieser Höhe  angebrachten Stange durchfahren. Am Wenigsten gewinnt…

Alles in allem war das wieder eine tolle Sause. Tolle Strecke, vor allem am Vormittag, tolle Teilnehmer und tolle Organisation mit Herz, Spaß und Professionalismus. Bis zum nächsten Jahr am 8. September 2018.

formfreu.de: Rheinhessen-Rallye 2016, 2014, 2013, 2012 und 2011

Rheinhessen-Rallye

10. September 2017

Moin, Dicker

von Tom

Begegnung mit der S-Klasse der frühen 1990er Jahre. Thomas Meinicke hat sich neulich einen Kindheitstraum erfüllt.

Es ist Frühjahr 1991, die Nachfolge für die erfolgreiche, aber mittlerweile in die Jahre gekommene Baureihe 126 von Mercedes-Benz, wird auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt: der W140. Aus dem Vollen geschnitzt, das seiner Zeit technisch Machbare, die Antwort auf den E32 aus München. Es gibt keine Nachfolge-Baureihe, bei der die Entwicklungskosten je wieder derart untergeordnete Rollen gespielt haben.

Die beste S-Klasse aller Zeiten konnte aber leider nicht an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen. Zu groß, plump, protzig, auf dem Autozug nach Sylt nur auf den LKW-Waggon passend. Dazu kam die Wendezeit, der Golfkrieg. Hat sie in Deutschland nie richtig Fuß gefasst, wurde sie im Ausland von der Käuferschicht gefeiert und freut sich dort auch heute noch großer Beliebtheit. Laut KBA sind derzeit noch knapp 6000 Limousinen auf deutschen Straßen unterwegs. Als im Frühjahr 1998 der W220 die Nachfolge antrat, hat sich Wolfgang Peters von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Wort gemeldet: “Das Ende des guten Patriarchen. Sentimentaler Abschied: Die S-Klasse war immer besser als ihr Ruf.” Im Nachruf heißt es unter anderem: “Denn kein anderes Auto bot höheren Fahr- und Federungskomfort, und kein anderer Wagen in dieser Größenkategorie ließ sich ähnlich sicher und gleichzeitig agil bewegen. Die S-Klasse war ein Riese, dem man das Tanzen auf den Zehenspitzen beigebracht hatte. Die neue S-Klasse wird ja schlanker und ranker: Uns fehlt der Dicke schon jetzt.”(Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 25.08.1998)

Ich war gerade 10 Jahre alt, als der W140 auf den Markt kam. Ich war fasziniert von der Größe, der Sicherheit, der Technik, der Unerreichbarkeit. Er hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Seitdem ist 26 Jahre her… bisher siegte der Kopf, jetzt hat der Bauch zugeschlagen. Herzlich willkommen, Dicker!

Text: Thomas Meinicke