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4. November 2013

Porschegeschichten__ Arthur und sein sandbeiger 2,0 SWB 911

von Markus

Von einem hässlichen BH, kleinen Rostbläschen und dem (fast) letzten seiner Art

Über unser facebook-Schwesterportal Garage 911 haben wir kürzlich eine Nachricht von Arthur aus Frankreich bekommen. Er besitzt einen unserem formfreu.de-911 fast identischen Exemplar!! Ebenfalls ein US-Modell von 1968, sandbeige mit ähnlicher Ausstattung. Die Freude war groß und er erzählt uns hier die Geschichte seines Porsches:

“Den Porsche Virus habe ich mir im Jahr 2000 eingefangen, als ich mit einem Freund und seinem 912er von Paris nach Deauville gefahren bin. 2003 bin ich dann beruflich nach Texas gezogen und habe meinen eigenen Elfer schließlich im selben Jahr in Chicago gekauft. Seit längerem war ich schon auf der Suche nach einem guten Auto, war lange unschlüssig, evtl. einen ‚S’ oder sehr frühen SWB kaufen zu wollen, doch diese waren auch damals schon etwas teuer für meine Budget. Schließlich wollte ich ein gutes Fahrzeug haben. Nach vielen schlechten Erfahrungen mit ungenauen Angebots-Beschreibungen und Ladenhütern bin ich auf eine Anzeige bei eBay gestoßen. Die Schwachpunkte des angepriesenen 911 waren sehr genau und ehrlich vom Verkäufer beschrieben. Der Zustand war gut, außerdem war ein dicker Dokumentenordner dabei, der die Geschichte des Porsches haarklein belegt. Ausgeliefert wurde er am 12. August 1968 nach Bethesda/Maryland an den Porsche-Händler ‚Manhattan Auto’ und ist mit Fahrgestellnummer 11835735 das acht-letzt gebaute US Modell! Wahrscheinlich sogar aller SWB überhaupt, da die letzten in die USA gingen. Mit dabei waren auch noch das originale Werkzeugset mit Luftdruckmesser, Serviceheft, die originale Porsche Rechnung und sogar der hässliche „BH“, eine Maske, die man zum Schutz der Frontpartie vor Steinschlag anbringen konnte! Auch wurde er noch mit Holzlenkrad ausgeliefert, ein damals immer schwieriger zu bekommendes Extra, weil die Behörden es als zu unsicher ansahen. Er hatte nur drei Vorbesitzer und wurde vom ersten, Robert Masters, im Februar 1969 beim Händler mit 2421 Meilen auf dem Tacho gekauft und 26 Jahre gefahren. Die alten Rechnungen belegen alle ausgeführten Reparaturen, einen kleinen Unfallschaden 1970, etwas Ölverlust, ansonsten gab es über 60000 Meilen hinweg wenig Probleme. Auch hat er Kaschmeere Fußmatten in der Lackfarbe anfertigen lassen. Dadurch sind die daruntergelegenen Originale noch wie neu. 1994 hat der dann 80 jährige sein Schmuckstück an Liz Darrig verkauft, die ihm erstmal eine große Inspektion verpasste, ihn ansonsten aber wenig fuhr und ihn nach einem knappen Jahr für 10300 Dollar an Frank E. Kruesi, den Chef der Chicago U-Bahn, veräußert hat. Dieser hat viel Geld in das Fahrzeug investiert und es in einen guten Zustand versetzt. Roststellen wurden entfernt, Kupplung und Bremsen erneuert. Jedoch hat er nur 3000 Meilen in seinem Fahrzeug zurückgelegt. Von ihm habe ich den Porsche über einen Zwischenhändler in Chicago gekauft. Für 13500 Dollar! Ich hatte das Geld überwiesen, ohne das Auto vorher live gesehen zu haben…

Am nächsten Tag machte ich mich auf die Rückreise nach Dallas und bin auch die Nacht durchgefahren. So war meine erste Fahrt am Steuer eines Porsche gleich mein eigener und 1600 km am Stück, mehr als der Wagen in den letzten Jahren zurückgelegt hat. Von November 2003 bis Dezember 2005 war er dann mein daily driver und ich habe 25000 km draufgespult. Es war wie ein zweites Leben und während der gesamten Zeit hatte ich keinerlei technische Probleme. Die Batterie ist noch immer die von 1994. Das Auto ist unglaublich zuverlässig und mechanisch in sehr gutem Zustand. Ich hatte lediglich anfangs die alten Kettenspanner ausgetauscht. Die waren noch die Originalen und ich wollte keinen Motorschaden riskieren. Auch habe ich die verrostete Vorderradaufhängung reparieren lassen, bevor ich das Auto nach Frankreich verschiffen ließ. Dort angekommen hatte ich überlegt, ihn auf euopäischen Look umzurüsten. Habe aber letztendlich alles original belassen. Die europäischen Frontscheinwerfer hatte der frühere Besitzer montiert. Mein 911 hat einen Defekt seit seiner Jugend, der nie behoben wurde: ein schlechter Zündkontakt lässt den Motor bei über 5000 Touren stottern. Das ist der Grund, warum der Motor nie überbeansprucht wurde. Dieses Jahr habe ich mich entschlossen, eine elektronische Zündung einzubauen, die kann man aber leicht wieder zurückrüsten. Sie hat jedoch das Fahrverhalten entscheidend verbessert. Bis heute wurde das Motorgehäuse nie geöffnet und ist bereits 130000km gelaufen. Er verliert lediglich etwas Öl, weshalb ich überlege, ihn mal überarbeiten zu lassen, um auch mal entspannter an Rallyes oder Ausfahrten teilnehmen. Alle je ausgeführten Reparaturen und Werkstattaufenthalte habe ich in einer Tabelle aufgelistet. In über 500 Positionen kann man genau erkennen, was wann wo von wem gemacht wurde. Auch was es gekostet hat. Insgesamt stehen über 60000 Dollar in der Liste. Mit den schwankenden Wechselkursen über 40 Jahre ist eine Umrechnung natürlich schwierig.

Dieses Jahr wollte ich eine kleine Roststelle am linken Kotflügel beseitigen lassen. Es waren nur ein paar kleine Blasen zu sehen, aber es sollte sich als größere Sache herausstellen. Wenn man bei alten Autos mal anfängt, was auseinanderzubauen, kommt es fast immer zu Überraschungen. Und so wurde aus der Geschichte eine mittelgroße kosmetische Restauration mit großflächigen Lackarbeiten, wie man auf den Fotos sehr schön erkennen kann. Ich wollte es schließlich richtig machen. Und nun ist der SWB in einem fantastischen Zustand und bereit für weitere 40 Jahre ohne Probleme. Er sieht fast aus wie neu. Ich bin mir ziemlich sicher, ihn nie mehr zu verkaufen…”

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English version:

“The Porsche virus caught me in 2000, when I was driving with a friend in his 912 from Paris to Deauville. Then -in 2003- I was living in Texas and found my car in the same year in Chicago. I had been on the hunt online for more than a year and after having had a lot of disappointments on unfair descriptions of supposedly gem cars, I really found this one very well documented and with the flaws honestly described by the seller. At the time I was hesitating still in buying a S or a early SWB 911. But all S were already a bit expensive for my budget as I wanted a very good condition car. This one was in very good condition and came with a big file of documents which tracked ist life. It was first delivered on 12.08.1968 to Bethesa/Maryland and is with VIN 11835735 the eigth last produced US SWB! Probably of all SWB, because the last ones were delivered ti the US. The car came with a lot of goodies such as: full original tool set including the tire pressure tester, owner original record book of the car, original invoice from Porsche, the “bra” that they put on the nose of the cars there, quite ugly but I have it ;) , all wheels are dated and correct and it even came with the wooden steering wheel that was already a complicated option to get at the time, they were about to forbid them as they saw them as dangerous. It came also with a set of carpet protection in cashmere that the previous owner had made at the color of the car with 911 written on it. So the original carpet set and rear seats are in New condition. The car has only three owners of which the first one- Robert Masters- bought it on 1st of Feb 1969 at Manhattan Auto with 2421 mls on the odometer. He kept it for 26 years and hat little problems with it as the invoiced proof. 1994 he was 80 years old and sold it  to a Liz Darrig who made a large inspection, but drove very little and kept it only for 1 year.Then sold it to Frank E. Kruesi, the boss of Chicago subway company. He invested a lot of money in his 911, had some rust , the clutch and brakes repaired and put it at a very good condition level. Then he sold it to me via a Chicago dealer who detailed it very well on eBay. So I bought it for 13,500 USD, transfered the money without having seen the car!

I then drove it back from Chicago to Dallas in one day and night (1600 km) so the car did more miles in one day that it had done in the last years. I used the car from November 2003 till December 2005 in Dallas as my personal car and did 25,000 km with. It was like a second life. I did not have a problem with the car for all those KMS. The battery is still from 1994, still the same today. Those cars are amazingly reliable. It is in excellent shape mechanically. I had the rusted front of the chassis remade in Texas before shipping it to France. When I arrived in Europe I hesitated to put it in European style, but after I experienced some difficulties with customs I decided to keep it as original. So it still has its US turn signal lenses, which I like better for the rear of the car. On the front it has some European head light that previous owner had installed. All repairs and workshop visits I have listed in a table. In over 500 positions you can see exactly what was done by whom, when and where. Also the costs. A total of about $ 60,000 went into the car. With the fluctuating exchange rates for over 40 years, a conversion is obviously difficult. The car had a default from its youth. A bad ignition connection that made it sputter when you were going over 5000 RPM. Thats why the engine had never been overused. But this year I decided to put on it a electronic ignition (not noticeable and that you can reverse easily) that just changed totally the behavior of the car. Only thing is that the engine has never been opened so it is now around 130000 KM and ist leaking oil. I will eventually do a restoration of engine probably if I want to participate to historical rallies it would be more prudent. The only thing I did on the engine is that I changed the chain tensioners in 2003 right after I bought it because they were still original and are quite fragile on those cars. If they break they kill the engine. I also took advantage to change the shock absorbers that were quite old and then I put it on a top quality paint shop that has reworked all the details that I did not like. It mainly had a spot of rust on the front left fender that was beginning to show with little bubbles. But of course, when you begin to work on rust on those cars, you just discover that you should do more and more every time you dismantle something. So eventually the car underwent a quite extensive cosmetic restoration this summer because I wanted to do it right. Now the car is just in fantastic shape, ready to cross over other 40 years without any troubles. The car looks almost new. I am quite sure I will never sell it.”


#porschegeschichten

1 Kommentar zu “Porschegeschichten__ Arthur und sein sandbeiger 2,0 SWB 911”

  1. holger sagt:

    Ein wunderschöner 2.0 911 in beige. Tolle Bilder Dokumentation.Zuffenhausener Technik die begeistert und für Langlebigkeit steht.Weiter so.