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SCHICKES. SCHÖNES. SCHNELLES.

3. März 2016

Autosalon Genf 2016

von Markus

Messerundgang

Nein, auf die Alpine von Renault müssen wir noch etwas warten. In Genf, wo in diesen Tagen der 86. Internationale Autosalon stattfindet, ist nichts davon zu sehen. Schade, aber wir trösten und mir anderen automobilen Highlights und Schmuckstücken. Schon vor 8:00h finden die ersten Pressekonferenzen statt. Die Hallen sind zwar noch recht leer und die meisten Neuigkeiten noch abgedeckt, aber einer muss ja den Anfang machen. In diesem Fall ist es BMW, die dem Urahnen 2002 Turbo den neuen M2 zur Seite stellen. „M“ in its purest form“ heißt es und der kleine Racker spurtet in 4,3 Sekunden auf 100. Noch mehr „M“ gibt es in der großen Klasse. Der M760Li ist das neue Topmodell und neben ihm sieht der altehrwürdige 750i von 1987 arg schmalbrüstig aus. Kinder, wie die Zeit vergeht… die vergeht auch schnell beim Messerundgang, also los:

VW darf um 8:05h seine Werbebotschaften unter die Journalistenschar streuen. Erstaunlich viel Sicherheitspersonal säumt die Bühne (und versperrt die Sicht auf dieselbige). Wohl nicht ohne Grund, denn ein als „Mechaniker“ getarnter Demonstrant mischt sich in die Präsentation des neuen Up und will diesen „reparieren“! Kurzerhand und schmerzlos wird er abgeführt und die Show kann weitergehen. Der besagte Up wurde „nachgeschärft“. Ein Facelift also und ich komme auf die Idee mal eine Runde „Marketingphrasen-Bingo“ zu spielen. Es scheint, als hätte man bei VW immer besonders schnell sein Kärtchen voll! :) Ihn gibt es als „beatsaudio“ Sondermodell mit 300 Watt auf den Ohren. Auch neu ist der Golf GTI Clubsport mit 265 PS, bei Kickdown sogar 290. Pfiffig gemacht ist das summer-green metallic lackierte Konzept „T-Cross Breeze“, ein kleines SUV Cabrio, welches (dann mit Dach) so ähnlich in Serie gehen soll. Im Übrigen erfahren wir, dass im Zuge des Abgasskandals der Konzern personell wie organisatorisch neu aufgestellt werde. Man will sich mit Elektromobilität für die Zukunft rüsten und so wohl zur Konkurrenz aufschließen, die diese schon seit Jahren anbieten.

Bei Audi führt die sympathische Mirjam Weichselbraun voller Elan durchs Programm und nach einigem Spektakel kommt der neue Q2 herangerollt. Er soll die jungen Kunden ansprechen und ein urbanes Lebensgefühl versprühen. Alles kann er, ist superschnell im Internet, bremst und parkt selbstständig, und übernimmt im Stau auch mal das Fahren. Leider sieht er nicht so dolle aus. Reichlich bockig wirkt er und ein klares Designthema will sich mir bei all den Linien nicht erschließen. Zig Kanten säumen die Radläufe, die dennoch optisch nicht hervortreten wollen. Das Heck mit den Polo-ähnlichen Leuchten ist noch die beste Ansicht. Billig und viel zu groß  wirken die farbigen Plastikteile, die auf der C-Säule sitzen. Das würden ja nicht mal mehr die Japaner so machen. Schnell weiter zu Porsche.

Dort röhren die Motoren. Es wird der 4-Zylinder, der im neuen 718 steckt gepriesen und es gibt eine Neuauflage des 911 R von 1967. Puristisch, kompromisslos „Racing“! 500 PS und 1370 kg dank Karbon, Magnesium und Titan machen ihn zum leichtesten 911 im Programm. 991 Exemplare wird es für 991 glückliche Kunden geben. Dreimal so stark ist der Bugatti Chiron, dessen Serienversion nun endlich zu sehen ist. Ob er in die Fußstapfen des 10 Jahre lang gebauten Veyron treten kann, wird die Zeit zeigen. Der Preis liegt bei 2,4 Millionen, netto. Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt , dass VW schon bei jedem gebauten Veyron 4,7 Millionen Euro draufgezahlt hat. Lamborghini feiert mit dem Modell Centenario den 100. Geburtstag des Firmengründers Ferruccio. Dieser würde sich beim Anblick der 770 PS starken Flunder freilich im Grabe rumdrehen. Durch zahlreiche Anbauteile zerklüftet ist keine Form mehr erkennbar. Der Roboterstyle gefiel mir schon am Veneno nicht und lassen Huracán und Aventador umso besser ausschauen.

Weitere Sportwagen Novitäten stehen in Halle 5: Aston Martin zeigt und den DB11. Der ersetzt den DB9 und ist vor allem im Innenraum gewachsen. Hinten passen sogar Isofix Kindersitze rein. Da kann James Bond ja mal an Nachwuchs denken. Auch bei den Italienern müssen die Bambini nicht zu Hause bleiben. Der Ferrari GTC4 Lusso bietet platz für vier, hat Allradlenkung, Vierradantrieb und ist somit die perfekte Ganzjahres-Familienkutsche. Oder man geht gleich zu Maserati und sitzt im Levante probe. Das ist ein SUV und für 88000 Euro kann man sogar ins gröbere Gelände. Designhighlights entdecke ich bei Mazda. Die Studie RX-Vision sieht betörend gut aus und soll den Wankelmotor wieder aufleben lassen. Sinnlich weich ist die Form, kein Gramm Fett, perfekte Proportion und einen Farbton zum Verlieben. Auch die Opel GT-Studie ist interessant. Winzig klein und schon ein Auto! Vergleichbar vielleicht mit dem Smart Roadster. Der Flitzer soll an den alten GT erinnern, zitiert ihn aber nicht, sondern kommt mit einem völlig neuen Look daher. Tiefe Front, kleinen Leuchten. Auf Überflüssiges wie Spiegel, Türgriff oder die ein oder andere Fuge wurde gleich ganz verzichtet. Auch die Seitenscheiben sind nicht als solche zu erkennen, sondern sind mit einer einseitig beschichteten Folie bezogen und gehen optisch in die Karosserie über.Ein rotes Band schmückt die Seite. Schick und Schön. Auch nicht schlecht ist der Skoda Vision S. Die tschechische Marke hat ihre Richtung gefunden und verfolgt sie konsequent. Fast könnte man meinen, sie nimmt dem Mutterkonzern VW die Butter vom Brot. Der Siebensitzer ist 4,70m lang, scharfe Kanten spannen sich über die ganze Länge, strecken und gliedern das Auto gekonnt. Der hundenasige Kühlergrill ist bullig, die Leuchten gruppieren sich drumrum. Alles passt und auch die eine oder andere schiefe Linie stört das Gesamtbild nicht, im Gegenteil, es schafft Charakter. Schräg gegenüber am Stand von Italdesign steht ein orangenes Fahrzeug. Der GT Zero ist ein viersitziger Flügeltürer mit elektrischem Antrieb und würde wohl gerne ein Lamborghini sein. Das Heck ist allererste Sahne und irgendwie weckt es auch Erinnerungen an Bertone, denen ein solcher Entwurf auch zuzutrauen gewesen wäre. Nicht nur wegen der Farbe.

Nach zehn Stunden Rundgang bleiben viele Eindrücke im Kopf. Ein kleines Auto aber hat einen Besonderen hinterlassen. Es ist der neue Renault Scenic! Er ist ausserordentlich gut gelungen, steht auf seinen 20 Zoll Felgen da wie eine eins und erinnert vom Charakter her und in einigen Details an die 2011 an selber Stelle vorgestellte Studie R-Space. Damit haben die Franzosen eine wirklich schnieke Modellpalette am Start und könnten eigentlich mal ein bisschen Pause machen. Aber der Pariser Autosalon steht ja schon vor der Tür. Nach der Messe ist vor der Messe. Bis denne…

Autosalon Genf

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