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3. Oktober 2016

Paris Motor Show 2016

von Markus

Liberté, Égalité, e-Mobilité

Mutti Merkel könnte stolz sein, denn die Sache mit der Elektromobilität kommt endlich Schwung. Auf dem Pariser Autosalon kann man dieser Tage davon überzeugen. Allen voran scheint sich Volkswagen – gebeutelt von Abgasskandal und Personalrochaden oder –verlust – neu erfinden zu wollen. Die Ausstellungsstücke sind in unschuldigem weiß gehalten, es prangen Slogans wie „We are more than a car“ oder Thinking New“ von den Wänden des Messestandes und man will elektrisch und vernetzt gegen Tesla und Co angehen. Genauer gesagt sieht man für 2020 den Durchbruch für das Elektroauto und bastelt an einer ganzen Flotte von Modellen, die dann bis 2025 millionenfach auf den Strassen rollen sollen und auf dem Modularen Elektrizitätsbaukasten MEB aufbauen. Den Anfang soll der I.D. machen, ein Fünfsitzer, der auf den Aussenmaßen eines Golfs den Innenraum eines Passats bietet.

Bei Mercedes-Benz sieht man die Sache mit dem Elektroantrieb sehr ähnlich. Firmenlenker Zetsche gibt sich mit Jeans und Turnschuhen betont leger, als der die Präsentation unter dem Titel „ Liberté, Égalité, e-Mobilité“ abhält. Man sei in der Vergangenheit mit dem Thema etwas schüchtern umgegangen, nun aber folgt die Öko-Angriffswelle, an deren Ende im Jahre 2025 zehn vollelektrische Modelle stehen sollen, die einen Anteil von 15-20% der gesamten Flotte ausmachen werden. Den Anfang macht die seriennahe Studie Generation EQ, die auf dem GLC basiert. Äußerlich wurde dieser etwas geglättet und mit blauen Leuchtgrafiken versehen. Darüber hinaus will man einen neuen Carsharing-Service an den Start bringen. Privatpersonen sollen dann ihren geleasten Mercedes an andere verleihen können, um etwas dazuzuverdienen. Ganz schwäbisch also.

Was einige Hersteller  für in ein paar Jahren versprechen kann man freilich woanders schon heute kaufen. Opel zeigt mit dem Ampera-e ein kompaktes Elektroauto mit Platz für fünf Personen und einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Und Renault rüstet den schon seit Jahren gebauten Zoë auf und lässt ihn mit einer Batterieladung 400 Kilometer weit fahren.

Citroen zeigt den gut gelungenen C3 und die Studie CXperience mit zitrusgelbem Interior, der ein Nachfolger für den C5 sein könnte. Darüber hinaus hat PSA die neue Dachmarke „Free2Move“ für Mobilitätsdienste gegründet, unter der künftig das gesamte Angebot für vernetzte Dienste und Mobilität gebündelt wird. Man ist eine Partnerschaft mit 15 Organisationen und Start-ups eingegangen, um „nachhaltige, sichere und vernetzte Mobilitätslösungen anzubieten“.

Unter den insgesamt 65 Weltpremieren waren auch der neue Nissan Micra, der in die fünfte Generation geht, der Skoda Kodiaq, der mit einem Einstiegspreis von 24490 Euro nicht nur Audi die Hölle heiß machen könnte. Die Ingolstädter präsentieren den schon jetzt uralt aussehenden Q5. Nicht viel frischer sind der neue Kia Rio und der Hyundai i30. Da waren die Vorgänger deutlich schicker. Land Rover hat den neuen Discovery, Ferrari den La Ferrari Aperta, BMW eine X2 Studie und und und…

Das Highlight und ein wenig Ablenkung vom Auto-Alltag stand aber bei Renault und heißt TreZor. Schon die gesamte Renault Pressekonferenz war wieder sehr gelungen. Ein kleines Mädchen schlendert über den riesigen Messestand, greift schließlich nach einer der von der Decke hängenden Kugeln und startet die Show, an deren Ende sich der riesige Ring erhebt und den Blick auf den nur 1,08m hohen Elektro-Konzeptwagen frei gibt. Unter der klassischen Proportion verbergen sich allerlei futuristische Details. Das Dach klappt nach oben weg und gibt den Einstieg frei, die Rückleuchten sind aus laserbeflammten Glühfäden, Lüftungsklappen auf der Haube öffnen sich wie Kiemen und lassen das Auto atmen. Zur glatten Anmutung der Fronpartie bilden die mit einem hexagonalen Muster überzogenen Flächen einen spannungsvollen Kontrast.

Trotz der vielen Neuheiten, gab es wenig Neues. Oft hörte ich, es seien so wenig Besucher hier. Manche Hersteller wirken recht verloren oder verwalten den Stillstand. Einige haben sich erst garnicht auf der Messe blicken lassen. Ford, Volvo, Lamborghini, Bentley, Mazda oder Rolls-Royce scheint ein Messeauftritt in Paris nicht nicht mehr rentabel und sie suchen sich andere Formate, um ihre Neuheiten an die Kunden zu bringen. Vielmehr als um einzelne Modelle, geht es darum mit Marketingphrasen und schön klingenden Versprechungen die Kundschaft bei Laune zu halten und Ihnen auch weiterhin den Traum vom Auto zu verkaufen. Car-to-X, Shared Mobility Services, connectivity, P-to-P Carsharing, Live Traffic, In Car Office…Wie sagte Sergio Marchionne neulich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: “Diese Industrie ist wieder einmal am Scheideweg. Niemand hat eine Patentlösung. Jeder kämpft um den Zugang zu zukunftsweisenden Technologien. Das Auto ist das neue interaktive Medium zwischen alter und neuer Welt. Jetzt gilt es, schnell zu sein und die richtigen Entscheidungen zu treffen.”

Ein sehr schönes “Stimmungsbild” kann man auch bei unseren Kollegen von “radical” lesen.

Paris Motor Show

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