Austin Mini Van__January Drive

Der Winter zeigt sich in diesen Tagen von der milderen Seite und so kann man den einen oder anderen Oldie mal aus der Garage lassen und ne Runde drehen, damit er sich die Reifen nicht so platt steht. Und so hoppeln wir in unserem 1964er Austin Mini Van über die Landstrassen des Mainzer Hinterlandes, machen hier und da einen Stopp, um ihn in der Nachmittagssonne zu fotografieren. Ziel ist das Gelände der Halle 45, eine ehemalige Waggon- und Panzerfabrik im Industriegebiet.

 

Baltic Sea Circle 2017 #2

Große Nachlese: Baltic Sea Circle 2017. Die lässigste Tour des vergangenen Jahres. 16 Tage hellwach im wilden Ritt um die Ostsee. 10 Länder im Wartburg 353.


3rd Stage, 19. Juni: Örebro Area – Strömsund Area, 164 km
4th Stage, 20. Juni: Strömsund Area – Bodø Area (Norwegen), 1074 km
5th Stage, 21. Juni: Bodø Area – Hov (Gimsøya), Arctic Circle Party Time, 113 km

Am dritten Tag will der Wartburg nur auf zwei Töpfen laufen. Das ist eigentlich kein untypisches Wartburgphänomen: Wir überprüfen Zündspulen, Kabel, Kerzenstecker und Kerzen – alles in Ordnung. Hmmmm…. Ein Defekt an der kontaktlosen Zündanlage erweist sich als – recht ungewöhnlicher – Verursacher des Problems. Zum Glück haben wir ja zwei – leider nicht vorab eingestellte – Unterbrecher-Zündungen für alle Fälle mit an Bord. Das Frontmittelteil wird abgebaut, die Werkzeugkisten werden ausgepackt und der Blutdruck steigt. Die Einstellarbeiten am Strassenrand unter knallender Sommersonne erweisen sich allerdings als schwieriger und zeitaufwendiger als gedacht, so dass wir die Kollegenteams ohne uns auf die Weiterfahrt schicken und uns entschliessen, den Wagen in eine Werkstatt in der Nähe bringen zu lassen, um dort in Ruhe die Problembeseitigung in Angriff zu nehmen. Während des stundenlangen Wartens auf den Abschleppwagen erreichen uns besorgte Meldungen unserer Freunde zu Hause, die sehen dass der Live-Tracker „hängt“. Wartburgfreund Toni verfolgt uns zu Hause in Thüringen fleissig über Facebook und stellt uns den Kontakt zu einem schwedischen Wartburgfahrer im vom aktuellen Standort in Fanthyttan rund 150 km entfernten Insjön in der schwedischen Provinz Dalarnas län her. Dort gebe es sogar eine Werkstatt unter „ostdeutscher“ Leitung mit Wartburgerfahrung. Da Telefonate an verschiedene Werkstätten im Pannenumkreis wenig erfolgversprechend waren, entscheiden wir uns, den Abschlepper auf eigene Kosten nach Insjön zu schicken. Wenngleich der ADAC diese Leistung zunächst abgelehnt hatte, wurden die entsprechenden Aufwendungen im Nachgang dann doch großzügig und kulant erstattet. Daumenhoch!

Eigentlich ist der Dienstag der Tag mit der traditionellen “Surströmming Drive Challenge“- ein intensiv faulig riechender Hering muß als berühmt-berüchtigte „Task of the Day“ über 200 Kilometer im Auto mitgenommen werden. Wir haben allerdings eine andere Agenda. Wir sind im 2000 Einwohner großen Insjön gelandet oder vielmehr gestrandet. Die zwiebelbeladene von syrischer Hand kreierte Pizza al Tonno vom Vorabend liegt zwar noch im Magen, aber das leckere schwedische Frühstück in der Pension Vintergatans lassen wir uns nicht entgehen. Um 8.30 marschieren wir mit dem Gepäck auf dem Rücken zu Insjöns Däckgarage, wo unser Rallyeflitzer steht. Dort bringen wir unser Auto nach mehreren Versuchen gemeinsam mit Holger Schulze schliesslich zum Laufen. Um 14.45 Uhr geht es dann wieder auf Tour. Nun gilt es, Kilometer zu machen. Das Wartburgherz klingelt am Berg und unter hoher Last – ist aber mit gelegentlichem fein dosiertem Choke-Einsatz dann doch gut fahrbar. Wir checken die Lage: Wir müßten am Folgetag gegen 7 Uhr im fast 1100 km entfernten in Bodø in Norwegen sein, um dort rechtzeitig die Fähre auf die Lofoten zu erreichen. Ja, das kriegen wir hin! Das packen wir! Durchfahren, also fahren, tanken, Kaffee holen, fahren, tanken, Kaffee holen, Hot Dog essen, fahren,… Wir treffen unterwegs an einer Tankstelle Mats, ein weiterer Oldtimerfahrer, der auf seinem historischen Motociclo Milani ebenfalls Richtung Nordkap unterwegs ist. Respekt!

Der Wartburg läuft durch die taghelle Nacht. Die Sonne geht nicht unter und berührt nur kurz den Horizont. Wir erreichen die Region Arjeplog am Polarkreis in Schwedisch Lappland mit ihren beeindruckenden gebirgigen Archipelen. Um 3 Uhr sind wir nunmehr alleine auf den Strassen auf über 750m Höhe und bei eisigen Temperaturen unterwegs. Bald erreichen wir die Grenzstation zu Norwegen. Und schliesslich stehen wir um 7:20 Uhr frühmorgens im Fährhafen von Bodø. Das waren 15 1/2 Stunden Fahrzeit. Wir sind kaputt und glücklich zugleich, die grüne Biene, so haben die anderen Teams den Wartburg getauft, hat es geschafft… Ticket lösen, und wir dürfen auf die Fähre rüber auf die Lofoten, nach Moskenes. Auf dem Schiff gibt es zur großen Freude auch ein Wiedersehen mit unseren Partnerteams…

Nördlich des Polarkreises gelegen, befindet sich die zu Norwegen gehörende Inselgruppe. Es ist eine Bilderbuchlandschaft. Malerische Fischerdörfer sind umgeben von steil aufragenden Bergen und tiefblauen Fjorden. Es ist Arctic Circle Party Time. Das erste Zwischenziel ist erreicht. Alle Rallyeteams kommen bei Gimsøya zur großen Partynacht zusammen und bejubeln den Polartag. Die Mitternachtssonne sinkt nicht unter den Horizont. Der Sprung ins Eismeer ist obligatorisch. Die Rallyefahrer feiern am Strand bei Bier und Bier. Geile Sause. Beste Stimmung. Klasse Leute. Die nach der Feierei verbliebene Tüte Schlaf ist kurz und hell und frisch, aber die Daunen im Schlafsack machen einen sehr guten Job…

Superlative Adventure Club
Zweitakterz Süd @ Baltic Sea Circle 2017
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Bilkyrkogården Ryd

Baltic Sea Circle 2017. 2nd Stage.

Ein gewöhnlich erscheinendes Waldstück in der Nähe der Ortschaft Ryd im südschwedischen Småland, knapp 200 Kilometer nördlich von Malmö. Man schreitet durch den Wald über matschigen oder moosig-weichen Boden hinweg. Es ist aber kein gewöhnliches Waldstück. Hier zerfallen Automobile, bis sie – in wenigen Jahren – nicht mehr da sind. Bis dahin aber ist dieser ganz besondere Autofriedhof Kulturgut und als solches geschützt.

Der Kenner entdeckt so manches Schätzchen in dem kleinen Reich aus alten Saab, Volvo, Auto Union, Volkswagen oder Ford. Das jüngste Fahrzeug müßte der K70 sein, richtig? Rostiges Blech und Moosteppiche schaffen ganz besondere Kunstwerke. Farne wachsen aus den Motorenräumen. Das ist einerseits traurig. Denn wer würde nicht gerne einen T1-Bus sein eigen nennen oder den DKW Kombi wieder zum Leben erwecken? Andererseits ist das eine surreale Erfahrung ohnegleichen und ein wunderbar würdevoller Ort für die alten Autos, deren Seelen schon im Autohimmel sind.

Bilkyrkogården
Välkommen att besöka Bilkyrkogården i Ryd

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Baltic Sea Circle 2017 #1

Große Nachlese: Baltic Sea Circle 2017. Die lässigste Tour des vergangenen Jahres. 16 Tage hellwach im wilden Ritt um die Ostsee. 10 Länder im Wartburg 353.
Zehntausende von Bilddateien sind durchforstet. Wir wollen mit Euch nochmals die geilsten Wochen des Sommers 2017 durchreisen.


Juni 2017: Wir sind bereit für das nördlichste automobile Abenteuer des Planeten. In der gut bepackten caprigrünen DDR-Reiselimousine und der Nummer 26 starten wir am 17. Juni in Hamburg. Mit dem Baltic Sea Circle knattern wir als Team “Zweitakterz Süd” an den nördlichsten Zipfel des Kontinents: Das Nordkap. Wir freuen uns auf holprige Straßen, weiße Strände, tiefe Fjorde, robuste Nadelwälder, die unglaubliche skandinavische Natur, Russland, die Baltischen Staaten und Polen. Wir freuen uns auf eine einmalige Rallye-Atmosphäre zur Sonnenwende mit Mittsommer am Polarkreis und “Weißen Nächten”. Schlafen kann man ja im Winter wieder. Wir freuen uns vor allem auch auf tolle Leute in den Städten und Orten, durch die wir reisen werden, und auf unvergessliche Momente zusammen mit den anderen Teams.

Eine Rallye, wie sie außergewöhnlicher nicht sein könnte – ohne Fokus auf Geschwindigkeit aber mit teilweise sehr herausfordernden Aufgaben entlang der Strecke. Das Fahrzeug darf nicht jünger sein als 20 Jahre und in der Anschaffung maximal 2500 € kosten. GPS-Navigationsgerät und Autobahnen sind tabu. Unglaubliche 250 verrückte und festentschlossene Rallye-Teams treten an, um mit ihren Old School Wagen und Youngtimern das Unmögliche möglich zu machen. Die Rallye ist auch eine gemeinnützige Veranstaltung. Die Wochen im Wartburg werden ein Abenteuer sein, welches wir sicher ein ganzes Leben nicht vergessen werden. Schön, wenn auch andere es nicht mehr vergessen. Die Grundidee der Rallye ist es, mit Spendengeldern die Welt ein bisschen besser zu machen. So sammeln wir im Rahmen des Baltic Sea Circle Spendengelder für Charity-Projekte. Für unsere Spendenpartner – der Anna e.V. – Unterstützung krebskranker Kinder in Aichtal und der Sage Hospital e.V. – kommen sagenhafte 1212 Euro zusammen. Vielen Dank!

1st Stage, 17. Juni: Hamburg – Österlen Area (Schweden),589 km
2nd Stage, 18. Juni: Österlen Area – Örebro Area, 614 km

Unser Abenteuer startet nach am Samstag, den 17. Juni auf dem Hamburger Fischmarkt. Die Sonne lacht, die Stimmung ist supergut und jede Menge coole Kisten füllen den Parc Fermé. Mit defektem Tacho und mit Ersatzteilen, 25 Litern Addinol-Zweitsaktöl, Zelt und Biervorrat maximalbpackt rollen wir von der Rampe und wählen den Landweg über Dänemark gen Norden. Wir fahren in der fröhlicher Gruppe mit unseren Stuttgarter Stammtischkollegen der Teams „Rotzaffa Racing“ im Volvo 850 und „Old Schmetterhands“ im Volkswagen T4-Bus, “Wolfgang” und “Gonza”. Zu den Tagesaufgaben gehören die traditionelle Wikingerweihe – mit dänischem Sand, schwedischem Holz und Meereswasser aus der Ostsee gilt es, auf allen Vieren um einen “Stone of Ale” zu krabbeln – und der Besuch des wilden Autofriedhofs in der Nähe der Ortschaft Ryd im südschwedischen Småland. Unvergleichlich schön sind die Landschaften im Süden Schwedens. Pro Tag sind wir um die 600 km unterwegs. Wildes Camping in unvergleichlich schöner Natur – in Sandhammeren an der schwedischen Ostsseeküste oder an einem Seeufer bei Nora – ist angesagt. Abends gibt es die wohlverdienten Feierabendbierchen in netter Runde. Der Gaskocher befeuert mitgebrachte Würste aus Thüringen oder Köttbullar aus dem lokalen Tankstellensupermarkt. Pulverkaffee und Müsli mit Hanfnüssen sind der kräftige Start in den Tag. Es wird übrigens nicht geduscht, sondern gebadet im Meer beziehungsweise im See, wo denn sonst?

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